Fahre ich gern Achterbahn? Die Antwort fällt mir leicht. NEIN!!! Ich bin eher Typ: ´die Gemütliche´, ´die Genießerin´. D.h. Aufregung, die mir unnötig erscheint, gehe ich gekonnt aus dem  Weg, ohne Angst zu haben, dass ich was verpasse. Mich überreden, kannst du vergessen. Bei einem ´nein´ bin ich sehr standhaft, es gibt Menschen, die würden mich an der Stelle als ´stur´ bezeichnen 😉 

Und wenn du dann doch springst, ist es grandios

O.k. ich gebe es zu, einmal während meiner 3,5 Jahre in Dubai, bin ich doch schwach geworden. In meinem Lieblingswasserpark gab es unzählige Attraktionen. Ewig lange Rutschen, die ich alleine oder mit Freunden im Wasserring sitzend runterdüsen konnte. I love it!!!! Es gab aber auch eine Rutsche, die ging knapp 28 Meter, fast senkrecht runter (hier klicken). Nahezu im freien Fall.

Klarer Fall für ´Team Michaela´, ohne mir große Gedanken zu machen, habe ich diese Weltattraktion, fast 3 Jahre lang, links liegen lassen. Bis eines Tages ein Arbeitskollege aus Deutschland mit mir in diesem Wasserpark war. Und genau an diesem Tag, gab es ausnahmsweise keine Warteschlange an der Rutsche. Ich habe überlegt: Jetzt oder nie! Ich werde nicht sterben und die Fahrt dauert gefühlt nur 5 Sekunden. Also gut, ich mach es! Was soll ich sagen, es war grandios. Gut, das Rutschen selbst nicht, aber das Gefühl des freien Falls, die Endorphine, die während der Fahrt freigeworden sind, das war unglaublich. 10 Minuten später habe ich immer noch gegrinst.

Was sagt mir das? Raus aus der Komfortzone, bringt mich zu Ergebnissen und Erlebnissen, die mich bereichern und mich im Leben weiterbringen. 

Das Leben in der Anstellung war rückblickend eher neutral

Jetzt fragst du dich vielleicht, was das mit meiner Selbstständigkeit zu tun hat?

Ich verrate es dir gern. Ich war über 20 Jahre als kaufmännische Leiterin in diversen Firmen in Deutschland und eine zeitlang in Dubai angestellt. Ich war immer eine exzellente Mitunternehmerin und habe mich mit vollem Herzblut eingebracht, wenn es darum ging, meinen Beitrag zu leisten, um das Unternehmen weiterzuentwickeln.

Ich bin (fast) immer gern zur Arbeit gegangen. Im Nachhinein muss ich sagen, das Leben damals war gut und gleichzeitig war es neutral. Es war ohne großes Herzklopfen, von wegen: Ich will meinen Beitrag in der Welt leisten und meinen Fußabdruck hinterlassen. Dafür war ich viel zu introvertiert und hatte auch nicht das Zutrauen in mich, dass es grandios wäre meinen Fußabdruck zu hinterlassen, geschweige denn, dass mein Umfeld sich darüber freut oder sich sogar danach sehnt, dass ich es tue. Ich war immer zielstrebig und hatte Freude daran, die Businessbabys, meiner Arbeitgeber zum Laufen zu bringen. Aber Wertschätzung, Anerkennung von anderen, und auch ich, mir selbst gegenüber, waren keine Top-Priorität. Im stillen habe ich wohl immer gehofft, dass mich jemand entdeckt, mein Potenzial erkennt und mich fördert. Aber stille Wünsche werden nicht gehört. Heute würde ich sagen. Selbst schuld. Ich allein bin für mein Glück verantwortlich und nicht die anderen. 

Oft kommt es dir selbst gar nicht mutig vor - von außen betrachtet ist es das wohl

Manchmal gab es diese (Mut-)Ausbrüche schon. Z.B. 2007, als ich mit meinem Partner und 5 Koffern Deutschland verlassen habe. Wir waren nicht mit einem Wohlfühl Expat-Paket entsendet, sondern haben uns extra für diesen Lebensabschnitt Jobs in Dubai und alles, was dort zum Leben dazugehört, organisiert. Wir wussten nicht, kommen wir nach 3 Monate zurück oder nach 10 Jahren. Es war uns egal. Denn eins war sicher. Egal, wie es ausgeht, es wird uns auf irgendeine Weise bereichern.

Und als hätte jemand die Uhr danach gestellt, immer nach ca. 5 Jahren hatte ich Hummeln im Hintern. Von wegen, der Job ist save und eigentlich interessant, aber ich möchte weiterziehen. Groß geplant war das nie, es war immer ein Impuls, dem ich gefolgt bin. Mit Mut hatte das für mich, nie etwas zu tun. 

Und trotzdem. In der Zeit als Angestellte, hätte mich mehr zeigen dürfen, mehr trauen. So wie damals auf der Rutsche! Was hätte denn passieren können? Ich habe nie drüber nachgedacht und das Potenzial für mich, an der Stelle nicht erkannt.

Gleichzeitig war da diese andere Michaela.  Die, die einfach springt. Die Michaela, die einen Cut macht, um das Unbekannte zu entdecken. Das Verlassen der Welt, mit doppeltem Boden.

Egal, welche Veränderung in meinem Leben es war. Die Veränderung im inneren fühlt sich immer an, wie ein Quantensprung.

Meine Selbstständigkeit stellt mein ganzes Leben auf den Kopf

In der Selbstständigkeit war ich auch lange, viel zu still. Ich dachte mit dem, was ich kann und was ich an Umsatz/Gewinn machen will, um mein Lebensunterhalt zu verdienen, reicht es einfach die Seiten zu wechseln und statt Gehalt zu bekommen, das gleiche oder irgendwann mehr in Form von Rechnungen zu  schreiben. Ein paar Kunden gewinnen und das Ding läuft. 

OMG, habe ich mich getäuscht. Wenn du dich ohne Kunden im Schlepptau selbstständig machst, reicht es nicht, das in die Welt zu bringen, was du am besten kannst. Selbst, wenn der Bedarf da ist. Es hatte niemand auf mich gewartet. Es hat auch niemand gemerkt, dass ich plötzlich da bin.

Heute denke ich, dass es gut war, dass es nicht einfach funktioniert hat. Sonst wäre ich den gemütlichen Weg weitergegangen und wäre heute nicht die Unternehmerin, zu der mich die Selbstständigkeit gemacht hat.

Ich habe mich plötzlich um Themen gekümmert, die habe ich früher links liegen lassen. Entweder weil ich dachte ich kann es nicht, es interessiert mich nicht oder es gibt Kollegen und Chefs, die das gern und gut machen.

Da sind wir dann gefühlt auch wieder bei meiner Story mit der Rutsche. Seit ich selbstständig bin und erkannt habe, dass hier gar nichts läuft, wenn ich mir nicht Skills anlege und um Themen kümmere, vor denen ich mich vorher gedrückt habe. Ich steh gefühlt ständig vor dem Eingang dieser Rutsche, mit dem Unterschied, heute lass ich sie nicht mehr achtlos links liegen, sondern ich mach die Augen zu und fahr los.  

Ich könnte jetzt sagen, das ist das Unglück in der Selbstständigkeit. Dass es eben ganz und gar nicht einfach ist sich zu etablieren. Geld zu verdienen, so viel zu verdienen, dass auch ordentlich was liegen bleibt. Dass man immer wieder Themen auf dem Schirm hat, die man im alten Leben elegant, ignoriert hätte. Und ja, in schwachen Momenten sehe ich es auch heute noch so. Es wäre schön, wenn manches leichter wäre. 

Meine Selbstständigkeit ist  wie eine Achterbahnfahrt.

 Es geht hoch und es geht runter. Eine Dauerschleife, die es auszuhalten gilt.

Auf der anderen Seite haben diese Herausforderungen dazu geführt, dass ich plötzlich mittendrin war, auf einer (nicht gebuchten) Reise zu mir selbst. Dass ich mich heute mehr traue, zu mir stehe und dass ich jetzt doch Freude daran gefunden habe meinen Fußabdruck hinterlassen zu wollen. Dass ich stolz bin, dass Menschen zu mir aufschauen, meinen Rat suchen und annehmen, um ihren Traum von einem profitablen Business, das zu ihrem Leben passt zu erfüllen.

Ich habe in den letzten 4 Jahren so viele Menschen kennengelernt, die mir in meiner Alten Welt nie über den Weg gelaufen wären. Menschen, die ich schätze, die zu Partnern, ja sogar zu Freunden geworden sind. Wir sitzen in einem Boot. Mein Leben in der Selbstständigkeit ist dadurch geprägt, dass ich, ich sein darf, ja sogar sein muss. Denn nur, wenn ich wirklich authentisch bin, führt es die Menschen zu mir, die auch zu mir passen. Egal ob das Kunden, Partner oder Freunde sind. Die, die nicht passen gibt es natürlich immer noch, aber ein großer Schatz der Selbstständigkeit ist, dass wir uns aussuchen können mit wem wir zusammen sind.

Mein Resümee

Glück und Unglück im Job und in der Selbstständigkeit werden immer da sein. Das Leben funktioniert nicht durch die rosarote Brille. Das macht aber nichts. Wichtig ist, ich bleibe neugierig. Ich springe regelmäßig ins Unbekannte und aus der Komfortzone raus. Vielleicht rutsche ich auch mal wieder diese Höllenrutsche runter. Eigentlich sehne ich mich ja nicht danach aber irgendwie vielleicht doch. 

Stehst du auch davor, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen? 


Diesen Ausflug in mein Gemütsleben verdanke ich meiner Businessfreundin Sirit, die mich eingeladen hat bei ihrer Blogparade unter dem Motto: "(Un-)Glück im Job oder in der Selbstständigkeit teilzunehmen. Schau gern mal auf Sirits Seite vorbei und lass dich von den anderen Geschichten zum Thema inspirieren.

Ich liebe Blogparaden, sie erlauben es den Lesern und natürlich auch den Beteiligten bei einem Thema, das sie betrifft oder interessiert, über den Tellerrand der anderen zu schauen.